
Die Hamburger Speicherstadt ist eine der schönsten
Sehenswürdigkeiten der Hansestadt und der Besuchermagnet schlechthin.
[22. April 2004] — Die Hamburger Speicherstadt – einstmals war sie das
größte zusammenhängende Lagerhausensemble der Welt. Heute
zählen ihre Backsteinfassaden zu einem der Wahrzeichen Hamburgs. Auf
dem circa 30.000 m² großen Areal befand sich bis zum
Ende des 19. Jh. ein altes, dicht besiedeltes Kaufmannsviertel mit
rund 23.000 Einwohnern. Nun erheben sich hier sechs- bis achtgeschossige
Lagerhäuser mit einer Fläche von rund 330.000 m².
Das Besondere an den Speicherhäusern ist, dass sie unmittelbar ans/ins Wasser
gebaut sind.
Somit sind sie auf zwei Arten zugänglich: zum einen auf dem Landweg und zum anderen
von der Wasserseite aus. Diesen Umstand nutzten damals die Schuten (Lastkähnen), die
zur Anlieferung der Waren direkt an die Häuser heranfahren konnten.
Getragen werden die Gebäude von stabilen Pfeilern und Unterzügen
aus Gusseisen oder Eichenholz. Auf den unteren der sechs bis acht Stockwerken
lastet ein Gewicht von knapp 1.800 Kilo pro Quadratmeter.
Da die Speicherstadt
nicht zum deutschen Zollgebiet gehörte, sie war Freihafen, konnten die
Waren zollfrei angeliefert und gelagert werden. Die Abgabe wurde erst nach
dem Verkauf, beim Transport aus dem Freihafen, fällig.
Auch heute noch werden hier Kaffee, Tee, Kakao und Orient-Teppiche fachmännisch
gelagert, die nun allerdings per Lkw angeliefert werden. Aber die traditionelle
Funktion der Speicherhäuser nimmt immer mehr ab – nach und nach verlassen
die ansässigen Firmen die Speicherstadt, um ihre Waren in modernere Lagerhäuser
außerhalb einzulagern.
Diesem Trend folgend wurde das Zollgebiet rund
um die Kehrwiederspitze aufgehoben und aus dem Freihafengebiet heraus genommen.
Der Komplex soll umgestaltet werden, hier wird ein neuer Stadtteil mit Büro-
und Geschäftsräumen sowie Läden, Restaurants und Wohnhäusern
– die sogenannte HafenCity
– entstehen. Der erste Schritt in diese Richtung war der Bau des Hanseatic
Trade Centers
an der Kehrwiederspitze.
Den schönsten Eindruck von der Speicherstadt bekommt man von der Wasserseite aus. Ab »St. Pauli Landungsbrücken werden täglich mehrfach Barkassenfahrten angeboten, die je nach Wasserstand auch die Speicherstadt befahren. Wer sie lieber zu Fuß erkunden möchte, kann sie leicht über die Kornhausbrücke (Innenstadt – Zippelhaus) oder die Jungfernbrücke passieren. Per U-Bahn fährt man am besten bis zur Station Meßberg.
Kulturinteressierte kommen in der Speicherstadt ebenfalls auf ihre Kosten, denn sie beherbergt einige interessante Ausstellungen und Museen. Wie zum Beispiel dem Speicherstadtmuseum (St. Annenufer 2), in dem ihr mehr über die Speicherstadt und ihre Geschichte erfahren könnt. Im authentischen Rahmen eines über 100 Jahre alten Lagerhauses werden typische Waren und Arbeitsgeräte aus den Handels- und Lagerfirmen der Speicherstadt gezeigt. Dazu verdeutlichen historische Fotos die Baugeschichte dieses einzigartigen Lagerhausensembles.
Museums-Tipp: Die Ausstellung der größten Modelleisenbahn der Welt im »Miniatur Wunderland (Kehrwieder 2), solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. Auf einer Ausstellungsfläche von über 2.400 m² schlängeln sich die Gleise durch ein altes Speicherhaus. Gespickt mit faszinierenden Details zieht die Anlage Jung und Alt in ihren Bann. Absolut sehenswert!
Das Deutsche Zollmuseum (Am Sandtorkai) ist ebenfalls einen Besuch wert. Es vermittelt
die deutsche Zollgeschichte von Altertum bis Gegenwart. Besonders interessant ist der Teil der Ausstellung, in dem die
Tricks und Verstecke der Schmuggler gezeigt werden. Der Eintritt zum Zollmuseum
ist frei. Eine wahre Kuriosität ist Spicy’s Gewürzmuseum
(Am Sandtorkai 32), in dem man Gewürze aus aller Welt riechen,
anfassen und probieren kann.
Schaurig Gruseliges erwartet euch in den finsteren Katakomben des Hamburg Dungeon
(Kehrwieder 2). Hinter seinen Mauern verbirgt sich das Entsetzen aus 2.000 Jahren Hamburger Geschichte. Hier erwartet euch eine
schaurige Zeitreise durch die blutigsten Epochen der Stadtgeschichte. Mit Hilfe modernster Technik und lebenden
Darstellern erwacht die Vergangenheit hier zu neuen, alten Leben. Nichts für schwache Nerven!